der mit dem Rad
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Tipps & Technik

Aus Schaden wird man klug!

Was beim Basteln alles als Idee abfällt bzw. auffällt möchte ich hier zusammenfassen.

Technik

Im Sinne der VDI-Richtlinie 3780 umfasst Technik:

  1. „die Menge der nutzenorientierten, künstlichen, gegenständlichen Gebilde"
  2. „die Menge menschlicher Handlungen und Einrichtungen, in denen Sachsysteme entstehen“
  3. „die Menge menschlicher Handlungen, in denen Sachsysteme verwendet werden“

Alles klar? Dann wollen wir mal ein Blech mit Draht verbinden und fertig ist das Stadtrad!

Drehmoment

Wo rohe Kräfte sinnlos walten kommt erst fest, dann ganz fest und irgendwann fürchterlich lose. Wobei ich manchmal das Gefühl habe: "Es ist des Schlosser Kraft, wenn er mit Verlängerung schafft!" Wird von Radfahrern zu gerne verwendet.

Beim Überschreiten der Festigkeit einer Schraubenverbindung sind die Schrauben schnell abgerissen oder festgefressen. Schlimmer ist die Dehnung bis kurz vor der Streckgrenze. Das sind dann die Verbindungen die im Einsatz plötzlich klappern oder abfallen. Schlimmer noch, sie lassen sich im Notfall nur mit Gewalt wieder öffnen. Dazu hat die Schraubenindustrie, je nach Schraubengüte und Schraubengröße Drehmomente festgelegt, die eine feste Verbindung garantieren.

Okay, ein Drehmomentschlüssel mit den zugehörigen Einsätzen ist nicht unbedingt fürs Reisegepäck geeignet, sollte aber in keiner Werkstatt fehlen und dort zum Einsatz kommen. Leider sind die Geräte nicht ganz billig und die Anzugswerte nicht bekannt. Hier hilft sehr gut das -> Schraubenlexikon.

Als Faustformel habe ich an meiner Handkraft, mit einem Schraubendreher, ca. 4 Nm Drehmoment ermittelt. Bei erhöhter Kraftanstrengung knapp 6 Nm. Verschraubungen sind eine Gefühlssache!

Rost

Ein Teufelswort. Rost ist am Fahrrad schlimmer als ein Platten. Rost, ein natürlicher Vorgang der Natur den keiner mag. Rost, kaum vermeidbar. Rost kommt still und heimlich und wenn er da ist? Kaum zu vernichten. Also ist vorbeugen angesagt.

Rost am Lack? Solange es kein Aluminium ist gelingt der Kampf mit Schleifen, grundieren und Lackieren.

Rost im Gewinde? Da wird es schwerer. Die Schraubverbindung ausgiebig mit Rostlöser z.B. Caramba (mir kocht das Blut) einweichen und/oder mit einem Heißluftföhn erwärmen. Meist klappt es.

Vorbeugend habe ich mir angewöhnt die Gewinde vorher ausgiebig zu fetten. Dazu verwende ich eine kleine Einwegspritze, gefüllt mit Heisslagerfett.

Was ist Rost: Wikipedia

Schraubensicherung

Da hat wohl einer eine Schraube locker!

Gelöste, lockere Schrauben sind ein Unding. Der Sicherungsmöglichkeiten gibt es hinreichend Alternative. Federringe, Wellenringe, Zahnscheiben, Kunststoffscheiben, Schraubensicherungslack und Draht (da ist er wieder).

Was es auch gibt, ist Rohrgewindekleber aus der Wasserinstallation. Verhindert das selbstständige Lösen und verklebt nicht so brutal wie Loctite.

Muttern sind, soweit es sich nicht um Systemmuttern handelt, gegen Stoppmuttern ausgetauscht ( das sind die mit dem kleinen Kunststoffring).

Totsünde

- "Weist du keinen Rat, nimmst du Draht!" Für den kurzfristigen Behelf? Bin ich kein Freund. Für eine dauerhafte Lösung? Bin ich ein überzeugter Gegner.

- "Das wird schon halten!" Nur wie lange? Alle Verbindungen beim Fahren, egal ob geschraubt, geklebt oder gebunden sind kritisch auf ihre Festigkeit zu prüfen.

- ALU und Nirostaschrauben der Güte V4A (1.4401) vertragen sich nicht besonders. Stichwort "Kontaktkorrosion", dabei wird bei einer direkten Verbindung beider Metalle das unedlere Element (ALU) quasi zerstört.  Konnte ich leidvoll erleben. Aus Gründen der Beschaffung und des Preises verwende ich nur V2A (1.4301)

- "Dreck ist ein idealer Rostschutz!" und Zerstörer. Fett, in Kombination mit Sand ist schlimmer als Schmigel.

Feststellbremse

Wer häufig mit der Bahn unterwegs ist kennt das Dilemma. Das Rad will einfach nicht still stehen. Beim Abfahren rollt es zurück und beim Bremsen wieder vor. Kann die Lok nicht mal ein wenig mehr Mitgefühl für seine rollenden Fahrgäste zeigen? Das ist kaum machbar. Ergo brauchen wir eine Lösung. Aus dem Baumarkt hatte ich mir kleine, kurze Spanngurte mit Schnellverschluss besorgt. Die befinden sich in der KFZ- Abteilung weil sie zum Befestigen von Fahrrädern auf dem Fahrradträger benötigt werden. Diese Gurte befinden sich in der Satteltasche und stehen, solange sie keiner entführt, für die nachfolgende Lösung zur Verfügung.

Gurt eins befestigt mein Rad an einer Haltestange. Damit ist das Umfallen schon mal ausgegrenzt.

Gurt zwei kommt um einen Bremshebel und dem Griff. Fertig ist die Feststellbremse.

Schaltzug

Wer hat sich noch nicht über die aufgedrillten Enden der Schalt- und Bremszüge geärgert? Ganz link, wenn es überhaupt nicht erforderlich ist biegt sich still und leise ein Draht nach außen und alle Versuche das Seil durch die Zughülle zu bekommen endet in der Verzweiflung.

Hat es entgegen Murphys Gesetz doch geklappt, dass alles einwandfrei montiert wurde, kommt der Zahn der Zeit. Irgendwann im Fahrbetrieb drillen sich die Seilenden dann doch auf und stehen unschön und gefährlich in der Gegend herum. Wer sich so einen linken Draht in den Finger gebohrt hat weiss wie viel Blut er entbehren kann.

Die Werkstätten bieten für horrendes Geld Aderendhülsen zum Verpressen an. Kleine Blei- bzw. Alu- Röhrchen die nicht ewig halten. Dafür bietet auch hier der Baumarkt eine preiswerte und akzeptable Lösung an. Ader-End-Hülse heisst das Zauberwort. In der Grösse 1 qmm für die Schaltdrähte und 1,5 qmm für die Bremszüge. Eventuell noch eine Presszange oder die gute alte Wasserpumpenzange. Schon ist dem Übel das Garaus gemacht und die Drahtenden gegen Körper- und Sachbeschädigung gesichert.

Zugverlegung

Es ist unerheblich ob es Schalt- oder Bremszüge sind, sie haben beide das gleiche Problem. Dreck und Frost setzen ihnen erheblich zu, bis hin zum Totalausfall. Auch die hydraulischen Bremsen sind in ihrer Schlauchleitung empfindlich gegen Beschädigungen die zu einer Undichtigkeit führen. Von den Befestigungselementen wollen wir gar nicht reden. Kosten ein Heidengeld und halten?

Verlegung ans Oberrohr ist eine Lösung, wenn es sich denn machen lässt. Oder Verlegung im Kabelkanal? Für kleines Geld sind im Baumarkt oder Fachhandel unterschiedliche Dimensionen zu bekommen. Leider nicht in allen Farben. Für diese Aufgabe gibt es beim Lackierer farblich passende Klebefolie oder für Kunststoff geeignete Farben.

Stromkabel

Eine nicht funktionierende Beleuchtung ist meist das Ergebnis einer losen Kabelverbindung oder noch schlimmer, einer gerissenen Kabelverbindung.

Viele Fahrradbauer verlegen die Kabel zum Rücklicht durch den Radrahmen. Meist unten am Tretlager vorbei und kommen dann an der Kettenstrebe wieder heraus. In meinen Augen ist das Blödsinn. Ich habe zwar das Kabel am Rahmen geschützt aber vom Dynamo zum Rahmen oder von der Kettenstrebe zur Leuchte liegt alles frei. Ein Austausch der defekten Leitung ist dann nur noch mit viel Fingerspitzengefühl möglich.

Zum Glück hat sich die Unart, Verlegen der Kabel innerhalb des Radschutzes, sprich einklemmen im Blech, nicht durchgesetzt. Die Einflüsse der Umwelt haben hier schon manchem Kabel den Garaus gemacht. Leider meinen die Billiganbieter, dass ein Plastikschlauch das Kabel auf Dauer retten wird. Ebenfalls Unsinn da zwar gut angedacht aber in der Ausführung an der Anforderung weit vorbei geht. Der Hartplastikschlauch wird kurzfristig porös, brüchig und damit unbrauchbar.

Vom Aquarium habe ich mir 6 mm Luftrohr besorgt und meine Kabel durch gezogen. Ebenfalls wurden die Wege weitgehends gekürzt. Mein Kabel zum Rücklicht verläuft unter dem Oberrohr zum Gepäckträger und unter dem Gepäckträger direkt zum Rücklicht. Das Luftrohr ist mit kleinen Kabelbinder an den Streben des Gepäckträgers fixiert.

Werkzeug

Ohne richtiges Werkzeug geht gar nichts!

Werkzeug sollte trocken, sauber und zusammen liegen. Als Lösung bieten sich da diverse Multitools an. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer. Multi = vielfach, universal. Ich habe mit diesem Hilfsmittel meine Probleme. Es ist zwar (fast) alles dran was man braucht, aber die Handhabung? Irgendwas klemmt oder hakelt immer. Im Laufe der Zeit habe ich mir einen kleinen Werkzeugbestand selber zusammengestellt und mir aus einer alten Jeans die zugehörige Werkzeugtasche genäht. Im Volumen und von der Dimension passt alles genau in die kleine Seitentasche und mit knapp 100 Euro auch noch übersichtlich.

Auffallend sind in meiner Werkzeugtasche die Reifenheber, die Schere und die Wapu (Wasserpumpenzange).

Die Reifenheber aus Metall von Simpson habe ich nun einige Jahre. Dauerhaft formstabil und robust. Kunststoff mag ja leichter sein, nur bisher habe ich noch keine gefunden die mehr als eine oder zwei Reifenmontage überleben.

Mit der Schere schaffe ich, neben allem was geschnitten werden muss, auch die Schaltseile zu kürzen. Ist bauartbedingt bei Rohloff unvermeidbar.

Die Wapu dient als Universalschraubenschlüssel und erstrangig als Topfheber.

Über die Notwendigkeit der kleinen Knarre (Ratschenschlüssel) kann man diskutieren. Sie ist mit 196g ein kleiner Luxus der das Schrauben erheblich erleichtert.

Links

Hausjournal ertklärt vieles zu dem Thema ALU und Edelstahl.

Schraubenlexikon gibt schon bald zuviel Information.

Was ist Rost?

V4A und V2A