der mit dem Rad

Schaltung

Fünf Jahre oder ca. 40.000 Kilometer mit ->Rohloff Speedhub 500/14 veranlassen mich einmal zurück zu blicken.

Ein wenig aus der Vergangenheit. Angefangen mit der guten, bewährten Sachs Torpedo 3-Gang mit Rücktrittbremse. Zum Jahrhundertwechsel zur Nexus 7-Gang gewechselt, natürlich auch mit Rücktritt. Ich kannte ja eigentlich nichts anderes außer von Leihfahrrädern die empfindlichen Kettenschaltungen mit denen ich mich verschaltete und beim Bremsen in Bedrängnis kam. Ja, bis ich durch Zufall das Angebot bekam mal eine Rohloff zu probieren. Für mich ein Quantensprung, es ging vorwärts, kein knirschen und knacken, kein Überlegen beim Anfahren ob ich den richtigen Gang hatte, kein schlagartiger Wechsel von Gang 14 auf Gang 21. Für mich die kommende Investition. Und so habe ich die "Keksdose" jetzt im Einsatz.

Ich fahre die Rohloff das ganze Jahr über im Alltagsbetrieb. Übersetzung 42 zu 17 bzw. auf Reisen mit Wechselblatt 32/42 zu 17 und aus Bequemlichkeit mit Kettenspanner.

Auch wenn die Rohloff als die ultimative Schaltung bekannt und Ende 2018 in mehr als 265551 Einheiten gebaut wurde, hat der Hersteller Rohloff immer noch Handlungsbedarf.

Ob sich das nachfolgende, beschriebene Fehlerbild mit meiner aktuellen Rohloff zur Geschichte geworden ist, werden die kommenden Monate zeigen. An meiner ersten Speedhub war die Abdichtung der Achslager und das Verhalten Rohloff gegenüber diesem Fehlerbild eine Schwachstelle die mich ärgerte. Nach ca. 2 bis 2.500 km hatte ich unter dem Hinterrad Ölflecken. Das Getriebe wurde lauter und der Schaltvorgang hakelig. Mündlich, und auch nur mündlich vertrat und vertritt Rohloff die Auffassung, dass der restliche Schmierfilm einer weiteren Nutzung bis zum anstehenden Ölwechsel genügen würde. Anderseits lehnt Rohloff (im Kleingedruckten) eine Gewährleistung wegen Ölmangel ab. Ich habe zwar im Winter, über meinen Händler, mein Hinterrad zum Service nach Rohloff gesendet und neue Wellendichtringe (Simmerringe) erhalten, ist das der Weisheit letzter Schluss? 

Sich einen kleinen Ölvorrat hinzulegen um bei Bedarf das verlorene Öl aufzufüllen bringt nichts. So wie das Öl oben rein kommt ist es nach ein paar Kilometern wieder raus. Undicht ist nun mal undicht. Und 6,50 Euro für 25 ml (entspricht 260,00 Euro für den Liter) sind auch nicht gerade ein Trinkgeld für das Getriebeöl ->Klüber.

Was ich begrüße ist die 2016 geänderte Variante der Ritzel von Schraub- auf Steckritzel. Die damit erhebliche Preisreduzierung eines Verschleißteiles war nur eine Hoffnung, die bekanntlich als letztes Stirbt. Dieser Umbau ist beim Kettenwechsel umgesetzt worden, aber erst nachdem der Welldichtring bei Rohloff gewechselt wurde. Und siehe da, das Oel hält, jedenfalls fließt es nicht mehr wie gewohnt.

Aktuell verwende ich die Rohloff in Verbindung mit einem Elektroantrieb. Dazu gibt es einen gesonderten ->Bericht.

Technik

Wovon spreche ich eigentlich? Von einer Hinterradnabe mit Innengetriebe die mir 14 Gänge über einen gleichmäßigen, gleichbleibenden Gangsprung von je 13,6 % mir eine Gesamtübersetzung von 526 % bietet. Die Gänge werden über einen Drehschalter gewählt. Im Gegensatz zu einer Kettenschaltung mit Umwerfer muss sich die Kette nicht zwischen den Kettenräder bewegen und es ist ein Schalten im Stand, ohne Aufwand und Kopfschmerzen, möglich. Selbst Gangsprünge von Gang 1 direkt in Gang 14 oder zurück, sind im Stand möglich. Eigentlich wird der Gangsprung nur durch die Drehbewegung der Handgelenke begrenzt, nicht von der Schaltung. Die Kopfschmerzen kommen erst wenn die individuelle Antriebsübersetzung mit Kette oder Riemen aus der Vielfalt der Möglichkeiten gewählt wird. Da hat Rohloff eine große Bandbreite im Vorschlag und es ist eigentlich (fast) alles möglich.

Kettenlinie

Dank der geradlinigen Kettenführung mit einer Kettenline von, ja was denn nun eigentlich? Es gibt im Netz und auch in den technischen Unterlagen die unterschiedlichsten Angaben zur Kettenlinie. Sie schwankt zwischen 51 und 58 mm, je nach Ausführung ob mit oder Ohne Kettenspanner, mit Schraubritzel oder Steckritzel, mit Kette oder Riemen. Ich hatte beruflich das Glück auf eine Messmaschine zurück zu greifen und konnte an meiner Nabe die Kettenlinie exakt ermitteln lassen und kam auf 55 mm bei Kettenspanner und Steckritzel. Die geradlinige Kettenführung sorgt zu einer echten Reduzierung im Verschleiß der Kette bei Erhöhung der Laufruhe.

Rohloff- Oel

Das eigentliche Getriebe befindet sich in einer geschlossenen Hinterradnabe mit einem permanenten Ölbad, daher wohl der Beiname Keksdose. Das macht die Rohloff widerstandsfähig gegen den Schmutz unserer Straßen aber auch gegen Sand, Schnee, Regen, Schlamm und was noch so alles unter die Räder kommen kann. Da keine zusätzlichen, mechanischen Schaltelemente vorhanden sind, kann auch kein Umwerfer zu einem Defekt führen. Von meinem, aus Bequemlichkeit montierten, Kettenspanner wollen wir hier nicht reden.

In Summe, einbauen, fahren und vergessen. - Dem ist nicht ganz so. Auch die Rohloff Schaltung verlangt ein Mindestmaß an Pflege und das ist neben einem Putzlappen auch Öl, nicht nur an den Schaltzügen sondern ganz dringend im Getriebe.

Dieses spezielle ->Klüberöl hat mich über die Jahre und wird es wohl auch weiterhin, ärgern. Nicht nur das es extrem teuer ist, hatte es auch die Angewohnheit sich über diverse Dichtflächen zu verflüchtigen. Lange Zeit waren die Dichtlippenringe (Simmerringe) in den Gehäusedeckel ein kritischer Punkt und führten in unregelmäßigen Abständen zu Leckagen. Auch die hinter der Schaltansteuerung liegenden Papierdichtungen gaben und geben gerne mal ihre Funktion auf. Spätestens wenn die Rohloff in den höheren Gängen annähernd die gleichen Laufgeräusche entwickelt wie in den Gängen 1 bis 7 weiß der Fahrer, die Rohloff will dringendst Öl. Nur was für ein Öl, jedenfalls ein extrem teureres, feines Getriebeöl. Die 25 ml für € 6,50 oder den Liter für € 260,00 lassen mich über Alternativen nachdenken.

Zum Ölwechsel noch ein paar Worte, auch wenn er im Handbuch und in einschlägigen Filmen sicher erklärt ist. Zum Ölwechsel werden neben einem sauberen Umfeld die notwendige Ruhe und etwas Zeit benötigt. Die Ölablassschraube M6 x 5 ist schnell raus gedreht und im Schmutz versteckt. Auch der zu verwendende Ablassschlauch hat eine hohe Affektivität zum Schmutz. Und die Zeit? Ist die Ölablassschraube entfernt und sicher verwahrt, ist der Ölschlauch sicher eingedreht, ist das Spülöl eingeführt und durchgespült, dreht man die Nabe nach unten, hängt den Schlauch in ein Auffanggefäß, ich nehme da immer die leere Ölflasche vom Spülöl und geht erst mal genügsam zum Essen oder was sonst so anliegt. Eigentlich soll mittels einer Spritze das alte Öl abgesaugt und Luft in das Getriebegehäuse geblasen werden. Ich habe festgestellt, gibt man der Nabe Zeit erledigt sich alles wie von selbst. Das aufgefangene Öl eignet sich ideal als Kettenöl!

Eine Anmerkung zu der unvermeidlichen Spritze. Ein 50 Cent Artikel aus der Apotheke als Einwegprodukt (geradlinig in den Sondermüll). Und das sind sie eigentlich auch, die Füllstände auf den Plastikgehäusen der Einwegspritzen ist ein Billigdruck mit einer sehr geringen Standzeit, eben ein Einmalprodukt. Schnell ist das Druckbild so unansehnlich das nichts so richtig zu erkennen ist. Abhilfe schafft da eine kleine Feile oder ein heißer Draht. An den halbwegs interessanten Markierungen eine kleine Kerbe ins Gehäuse und der Überblick ist wider gegeben und aus dem Einweg- wurde ein Mehrwegprodukt. Wobei beim Ölwechsel eigentlich nur die entnommene Menge interessant ist, die Einfüllmenge ist durch die Ölflasche vorgegeben.

Einbau

Es gab lange Probleme mit der Nabe und den richtigen Speichen. Zum Glück war ich selbst nie betroffen, konnte mir aber einen ausgebrochenen Speichenflansch mal in Ruhe betrachten. Die Materialien des Schaltgehäuses reagierten recht unbehaglich auf falsche Speichen und falscher Speichenspannung. Eigentlich ein Thema um das sich der Nutzer keine Gedanken machen sollte, da es in den Werkstätten Fachleute mit Prüfzertifikaten gibt. Tja, Speiche ist nicht Speiche und der Speichenverlauf mit den richtigen Daten ist ein Hexenwerk das verstanden werden muss. Eine Rohloff einspeichen und vor allem zentrieren ist eine Arbeit mit viel Fingerspitzengefühl, Sachverstand und technischen Hintergrundwissen. Bevor sich einer Reservespeichen zulegt sollte er sich kundig machen welche Speichen er wirklich benutzt. Rohloff hat die erforderlichen Vorgaben auf ihrer Homepage und/oder in den technischen Unterlagen versteckt. Und ganz wichtig, passende Speichennippel, auch da gibt es Unterschiede wie Sand im Meer

Schaltansteuerung

Im Regelfall wird die Rohloff mit einem Drehgriff, ohne Rastung, ausgeliefert. An der Schaltung muss dann entschieden werden ob eine interne oder externe Schaltansteuerung gewünscht wird.

Die interne Schaltansteuerung ist weniger anfällig und ausreichend für den Alltagsradler. Leider ist sie nicht mit Scheibenbremsen kombinierbar, da die Schaltzüge mit der Bremsscheibe kollidieren.

Die externe Schaltansteuerung sollte eigentlich die Standardeinrichtung sein. Beim Radwechsel ist ein wenig mehr Fingerspitzengefühl nötig, das wäre der einzige Nachteil gegenüber den anderen Vorteilen der externen Ansteuerung.

Nebenbei ist die externe Schaltansteuerung ein Muss, wenn vom Drehgriff auf Daumenschaltung umgerüstet werden soll.

Fazit

In den vergangenen Jahren hat mich die Rohloff nie im Stich gelassen. Selbst die ignorierten Ölverluste haben zu keinem Knirschen und knacken geführt. Also doch ein Sorglospaket. Hier möchte ich auf die Firma Rohloff zeigen. Einerseits lehnen sie bei Ölverlust eine Garantie ab, andererseits wird einem mündlich versichert das immer genug Restöl im Gehäuse verbleibt um die Betriebssicherheit bis zum nächsten Ölwechsel zu gewährleisten. Nur schriftlich findet sich dazu nichts. Nach dem letzten Wechsel des Simmerring habe ich mir erlaubt den Ritzelträger und die Schaltansteuerung zu demontieren und mit Alkohol die hochglanzpolierten Laufflächen zu reinigen. Eigentlich eine Aufgabe vor dem Einbau eines neuen Simmering, in diesem Fall hat sich der Aufwand gelohnt da beide Dichtflächen mit Abrieb behaftet waren. Jedenfalls ist die Rohloff nun "dicht".

An der Rohloff kommt keiner vorbei, der eine langlebige, robuste, und abgestimmte Schaltung für ein langes Radleben benötigt. Ob sie zum Einsatz kommt ist dem Nutzer freigestellt.

Rohbox

Einige Zeit fuhr ich die Rohloff mit der Schaltbox von ->Gebla, der "RohBox". Ich musste es nicht, ich wollte es aber und es ist ein feines Schalten. In Verbindung mit dem SRAM X9 Schalthebel ohne Rastung lassen sich die Gänge sauber und schnell durchdrücken. Leider sind nur zwei Gänge pro Hub zu überspringen. Vielleicht kommt da doch noch eine Lösung für einen Sprung über drei Gänge?

Cinq5

Mit meinem neuen Rad, habe ich die Rohloff mit der Schaltsteuerung ->Cinq5 ausrüsten lassen. Auch hier ist ein zügiges und feines Schalten gegeben. Die Cinq5 wird mit eigenen Schalthebeln ausgeliefert die auf die Mechanik in der Schaltbox abgestimmt sind. Und hier sind wir an einem Kritikpunkt. Die gesamte Mechanik diktiert mir den Schaltweg oder anders ausgedrückt, den Weg für meine Daumen und das sind locker 40 mm. Für mich persönlich ist die Übersetzung zwischen Schalthebel und Schaltbox etwas zu gering ausgefallen. Mir ist aufgefallen dass ich lieber zweimal drücke als einmal ganz durchzudrücken um zwei Gänge zu schalten. Hier wünsche ich mir eine Möglichkeit die Übersetzung zu ändern.

Quintessenz

Ob Rohbox oder Clinq5, im Schaltverhalten sind nur suggestive Unterschiede zu erkennen. In der technischen Ausführung liegen Details vor.

Die Rohbox ist augenscheinlich das stabile oder robustere Modell. Selbst die Befestigung an der Rohloff ist entsprechend dem Original. Das Innenleben mit seinen Blattfedern und geänderten Ritzel hat mich über mehrere tausend Schaltvorgänge nicht enttäuscht. Primitiv erscheint die Abstützung der Feder mit einer Zugendkappe, aber es funktioniert.

Die Clinq5 erscheint da erheblich filigraner und Detailverliebter. Das erstreckt sich über das Innenleben bis zur Befestigung an der Rohloff. Zur Standfestigkeit kann ich zum momentanen Zeitpunkt noch nichts sagen.

Der größte Unterschied liegt in der Zugführung. Die Rohbox hat das Zugende in der Box verschraubt, die Cinq5 dagegen am Schaltgriff. Vorteil / Nachteil, wo liegt er? Ich finde den Vorteil bei der Rohbox. Dank der gewählten Zugbefestigung kann ich jeden beliebigen Schalthebel, nach Entfernung der Schaltrastung, verwenden und damit ideal einen Sportlenker ausrüsten. Bei der Cinq5 ist das nicht so elegant möglich, bei ihr ist man abhängig vom Angebot.

Vorteil / Nachteil

.

Beobachtung

Rohbox

Cinq5

Schaltzug

+
Schaltzugwechsel wie bewährt

-
Schaltzugwechsel durch ICM (inverse cable mount)

Schaltgriff

+
Trigger oder Road Schalthebel nach eigener Wahl

-
original Schalthebel

Befestigung Schalthebel

+
montierbar direkt an Magura Bremshebel oder freier Position

-
nur original Befestigung

Wartung

-
beim Oelwechsel fetten

-
beim Oelwechsel oelen

Befestigung

+
ALU Rändelschraube

-
Plastik Rändelschraube

Schaltweg

+
verkürzbar durch Wechsel des Schalthebel

-
vom System vorgegeben

Gangwahl

-
nicht angezeigt

-
nicht angezeigt

Präzision

-
kann hakeln

+
keine Aussetzer

Preis (2018)

299,00

299,00
je nach Ausführung

Bei der Gegenüberstellung der vorgestellten Beobachtungen, die mir bei den ersten Fahrten und der Montage auffielen, spricht vieles für die Rohbox.

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