der mit dem Rad

Pedelec

Werde ich doch langsam alt? Ich habe mich getraut, Eduard ist elektrisch!

Da quält man sich in brüllender Hitze quer durch die Rhoen, selbst die Wochenendprofis schieben teilweise ihre Rennräder die Straße bergauf und dann kommt Mütterchen mit ihrem Aldi- Pedelec pfeifend an mir vorbei. Es reicht! Wir brauchen Unterstützung.

Welcher Motor ist dann der Idealste? 250, 500, 750 oder gar 1000 Watt Leistung? Was bedeutet schon Watt? Ich will Power und kein Speed.

Der Gesetzgeber will mich nötigen. Ich ging dennoch auf Risiko und damit auf 500 W da dieser Motor als Bergziege gilt. Versucht gar nicht erst als Privater eine Betriebserlaubnis für euren Umbau zu erhalten. Ich habe mir die Hacken rundgelaufen um eine verbindliche Aussage und dann die erforderlichen Unterlagen, Freigabe des Rahmenbauers, Freigabe der Räder inkl. Bereifung, Freigabe zum Lenker, etc. zu bekommen. Um hier Obelix zu zitieren: "Die spinnen die Typen!"

Die Testfahrten in der Hamburger Bergwelt, auf der Strecke Falkentaler Weg zum Wasenberg (Elbhöhenweg mit 15% auf 600 m) und von Övelgönne zur Elbchaussee (18%), übertrafen meine Erwartungen um Längen. Die anfängliche Begeisterung bekam jedoch bald seinen ersten Dämpfer.

Grundsätzliches

"Immer mit Rückenwind fahren so ist das Gefühl wenn Sie sich für einen Umbausatz entscheiden."

Quatsch, irgendwann schläft der Rückenwind ein, sprich der Akku ist leer und dann ist Schluss mit lustig. Beim Fahren mit Elektroantrieb ist mir so einiges aufgefallen das ich gerne im Vorfeld gewusst hätte

- es wird zügiger und auch schneller gefahren

- es wird mehr und heftiger gebremst

 - Schaltfaulheit ist angesagt

- min. 6 kg Mehrgewicht ist zu planen

Der erste Aspekt ist ja das was erreicht werden soll. Mit weniger Aufwand eine gleichwertige oder verbesserte Nutzung.

Die Kraft des Motors meldet sich unmittelbar nach dem ersten Tritt auf die Pedale. Ist dann noch eine hohe Unterstützung voreingestellt ist nicht nur das Rad weg sondern das Material, Kette, Ritzel, und Zahnkranz werden extrem belastet. Ich vermute das sich auch über kurz oder lang meine Rohloff melden wird. Laut Internet kann ich in meinem Alter und Kondition theoretisch auf etwa 15 bis 20 Nm kommen. Ich unterstelle mal dass der Wert von mir noch gerade erreicht wird. Ist für mich auch nicht von Interesse. Fakt ist, meine Beine sind im Antritt schwächer als die Motoren. Der Motor soll bei 250 W mit 50 Nm und der 500 W Motor mit 80 Nm daher kommen. Das muss langfristig aufs Material gehen.

Und das Gewicht ist auch nicht zu verachten. Spätestens wenn man 28 kg Fahrrad die Treppe hochträgt machen sich die zusätzlichen Kilo bemerkbar.

Fahrverhalten

Je nach System variiert das Fahrverhalten.

Bin ich im Modus Power geht die Post ab, bis 25 km/h habe ich bei 250 Watt leichten Tritt. Auch im letzten Gang der Rohloff. Aber bloß nicht langsamer werden. Solange sich die Pedale bewegen hält der Motor erst mal die Geschwindigkeit, bis ihm auffällt das ich was anderes vor habe. Da stehe ich aber schon in den Bremsen. Runterschalten hilft nicht viel. Der Motor versucht dann mit erhöhter Drehzahl die Geschwindigkeit zu erreichen. Hier sind die Hersteller bei der Feinabstimmung gefordert.

Im Gelände ist diese Eigenart ganz toll, voll toll, man könnte auch sagen schei.... Ich brauche Kraft um über die Wege zu kommen. Die gibt mir der Motor in Verbindung mit Geschwindigkeit. Das ist die Herausforderung an Fahrer und Getriebe die optimale Abstimmung für die jeweilige Situation zu finden. Die Reifen und Felgen werden es jedenfalls danken.

Im Kopf muss ich mich umstellen. Soll ich lieber die Leistung anpassen oder soll ich schalten? Eine interessante, mentale Aufgabe!

Der 500 W- Motor hat mich zwischendurch richtig geärgert. Habe ich an der Ampel versäumt die Leistungsstufe zu reduzieren und trat dann erste malig zu, war das Rad unter mir weg. Ich fahre gerne sportlich aber dann kontrolliert und das war kaum möglich.

Fazit

Ich habe ein Fahrrad das zu mir passte. Die Anbieter der E- Bikes haben diverse Typen im Programm, für Otto Normalverbraucher und dem Mountainbiker ist alles da. Für den Vielfahrer sieht es da schon eher bescheiden aus. Ärgerlich ist die aktuelle Mode der speziellen Rahmengeometrie zur Aufnahme der Motoren. In Timbukto zerlegt sich mein Motor. Einfach das Tretlager wechseln, den Motor vernichten und weiterfahren ist mit diesen Rändern nicht möglich. Ich brauche also einen Motor zum schnellen und einfachen Wechsel im Antrieb. Nabenmotoren fallen bei mir generell runter. Hinten ist eine Rohloff und vorne der Sons. Da ist kein Platz für Spielereien.

Gestartet bin ich mit -> Bafang in zwei Ausführungen.

In der Schweiz fand ich ->VIVAX. Ein spezieller Motor zum Einbau im Sattelrohr und Antrieb auf das Tretlager. Dafür muss der Rahmen im Sattelrohr einen minimalen Innendurchmesser von 31,6 mm haben und die hat Eduard nicht. Ansonsten eine unauffällige Option zu einem sagenhaften Preis.

Das VIVAX Händlerverzeichnis hat im Umkreis Hamburg auch nach 120 km keinen Treffer gebracht. Heißt also Service über die Schweiz. Ausbauen, einpacken, verschicken, warten (was ich schlecht kann). Und der Preis! Hilfe, ich will keinen neuen Wagen, ich will mein Fahrrad pimpen.

Aktuell nutze ich ->PENDIX. Ein Tretlagermotor der im Gegensatz zu allem was ich bisher sah kein Display, keinen Lenkerschalter und kein spezielles Kettenblatt einsetzt aber benötigt. Obwohl wir in Hamburg reichlich Anbieter für dieses System haben bin ich zu spät über PENDIX gestolpert. PENDIX arbeitet mit einem geschlossenen 42 Volt System und langt beim Preis mit 1.650,00 Euro richtig zu.

Eine Innovation aus Italien ist ->BIKEE BIKE. Ähnelt optisch dem Pendix und soll natürlich mehr können.

-> BINOVA wollen wir nicht vergessen. Ein Mittelmotor mit einem halbwegs offenen Konzept, sprich mit 36 Volt und daher kompatibel zu alternativen Akkus. Wenn ich die spärlichen, fachlichen Informationen auf der Homepage richtig verstanden habe, haben wir es mit einem artverwandten Motor zu einem weiteren deutschen Anbieter zu tun.

Im Oktober 2017 habe ich eine Woche das Internet durchforstet und keine verbindliche Preisauskunft erhalten. Erst auf schriftliche Anfrage erhielt ich umgehend alle gewünschten Informationen. Preislich bewegt sich das System mit 1.950,00 Euro noch oberhalb von Pendix und damit oberhalb meiner Schmerzgrenze. Auch arbeitet  -> BINOVA mit einer zusätzlichen Drehmomentabstützung am Rahmenrohr und einem gewaltigen, überdimensionierten Display.

Bleit noch -> SFM- Bikes. Ein Mittelmotor made in Germany der mich optisch stark an Bafang erinnert.

Akkuleistung

Der eine Hersteller gibt die Leistung seiner Akkus in Watt an, der andere in Amper. Warum immer die kleinen Differenzen. Zum Glück haben wir das Internet (https://www.akkuline.de/Rechner/watt-umrechnen-in-amper-volt.aspx) wo wir schnell und unkompliziert eine Möglichkeit der Umrechnung finden.

Volt x Amper = Watt

Watt / Volt = Amper

Da ich elektrisch das genaue Gegenteil von Daniel Düsentrieb bin, sagen mir diese Angaben wenig bis gar nichts.

Volt           = Spannung  = Hubraum

Ampere     = Strom        = Verbrauch

Watt         = Leistung     = PS

Motor mit 24, 36, 42 Volt? Ich weiß das Watt Leistung ist. Früher sagte man Pferdestärke und damit habe ich einen festen Begriff. Wenn mir dann schon einer mit Voltampere als Scheinleistung oder Joule ankommt, klappen meine Ohren zu.

Für mich heißt die Faustformel: Viel Volt mit viel Watt ergeben eine hohe Kraft. In Verbindung mit viel AH aus dem Akku habe ich dann eine hohe Kraft über lange Zeit.

Umgemünzt auf den Verbrenner: Viel Hubraum, verteilt auf viele Zylinder in Verbindung mit einem großen Tank ergeben hohe Kraft über lange Zeit.

Sagt mir ein Techniker, sie haben eine 6,5 Liter Maschine mit 700 PS weiß ich dass bei Volllast der Tank extrem groß sein muss.

Ach ja Ohm habe ich auch mal gehört. Soll der Widerstand sein der den Stomfluß und damit die Leistung verringert.

Ganz klar, ist die Benzinleitung zu dünn, kommt der Sprit nicht schnell genug in die Vergaser und der Motor kann seine Leistung nicht voll entfalten.

Bei Strom klappen mir immer die Ohren zu.

Was ich verstanden habe:

Hohe Volt benutzt wenig Watt um das gleiche zu erreichen wie wenig Volt mit hohem Watt.

36 V zu 250 W = 6,9 A

42 V zu 250 W = 6,0 A

Ähnlich einem Kleinwagen der auf kleinen Hubraum die gleichen PS wie eine Limousine mit unendlichen Hubraum hat. Lasse ich diese Motoren gleichmäßig mit 100 km/h laufen und schaue mir die Tankuhren der Wagen an, hat der Kleinwagen richtig gesoffen.

In meinem Kopf bin ich vollkommen verspannt!

Was wollen uns diese Angaben aus den technischen Unterlagen der Motorenhersteller sagen? Mir als elektrischen Laien sagen sie nur, dass die Motoren an ihre Leistungsgrenze gebracht werden und da fällt mir der Joke mit dem Kamel ein:

Ein Kameltreiber spricht einen Radfahrer an, der mit Höchstgeschwindigkeit durch die sengende Hitze der Wüste rast. "Wenn ich schnell fahre kühlt mich der Fahrtwind und es bleibt angenehm kalt!" Meint der Radfahrer. Der Kameltreiber gibt seinem Kamel die Peitsche und jagt mit hohem Tempo hinter dem Radfahrer her. Nach einigen Kilometern bricht das Kamel tot zusammen. "Klare Sache, erfroren!"

Die Angaben zur Geschwindigkeit sind selbst ermittelt. Gefahren im letzten Gang mit einer 42/17 Übersetzung, bis sich nach Gefühl die Beinkraft erhöhte. Das Ergebnis würde mich mal unter Laborbedingungen interessieren.

Reichweite

Wie schon ausgeführt, Motor und Akku sind eine Einheit die gemeinschaftlich bestimmen wie weit ich theoretisch kommen könnte. Ebenfalls ein Thema wo sich kein Hersteller richtig festlegen will. Die Reichweite eines Akkus.

Ladezustand, Transportgewicht, Fahreigenschaften, Streckenführung, Dauerregen oder Sonnenschein, Wohlbefinden der Feldmäuse und noch zig andere Punkte die in Frage kommen. In  der Werbung wird ja gerne der theoretisch beste zu erreichende Wert angegeben. In der Praxis kommt es, wie beim Benzinverbrauch, zur Ernüchterung. In Hamburg und Umfeld habe ich bei einer Ladung erhebliche Unterschiede geschafft.

Bosch stellt für seine Systeme einen ->Reichweitenrechner zur Verfügung. Es sind überraschende Ergebnisse zu ermitteln.

Mir wurde die Reichweite mal wie folgt erklärt:

Ich habe 500 Wh (Watt per Stunde) im Akku. Der Motor benötigt bei 25 km/h und 100 % Unterstützung 250 Wh. Ergebnis, nach zwei Stunden oder 50 Kilometer ist der Akku leer. Wie um alles in der Welt kommen die Anbieter dann auf mehr als 150 km Reichweite? Da hat wohl einer beim Benzinverbrauch der Blechbüchsen abgekupfert?

Resumee

Nach einigen Kilometer und tauend Euro Investitionen, mit unterschiedlichen Motoren, bin ich zu dem Ergebnis gekommen das ein E- Motor für den Reiseradler nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Im Nahverkehr und bei Kurzreisen okay. Im Fernverkehr, gerade in ländlichen Gebieten, nein. Das Mehrgewicht und die zusätzlichen Komponenten stehen in keinem vertretbaren Verhältnis zum erwarteten Erfolg.

Die Unterstützung der Hersteller pendelt zwischen miserabel und irreführend. Ja, sie tendieren bis hin zur Falschaussage.

Und preislich? Hier sind die Anbieter allesamt gefordert.

Links