der mit dem Rad
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Fahrrad auf dem Vormarsch

Die Radverkehrskoordinatorin des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg stellt sich den Fragen der Vereinsvorsitzenden.

Eigentlich wollte ich mich aus der Diskussion zur politischen Situation der Radwege heraushalten. Ein für mich extrem ärgerliches Ereignis am 6. Mai 2018 hat mich derart auf mein Lieblingsplätzchen gebracht, dass auch ich mich veranlasst sehe meinen Senf zu dieser nie endenden Story beizutragen.

Aus Zufall erfuhr ich aus einem Hamburger Wochenblatt, (nicht aus der ADFC RadCity oder anderen Werbeträger) dass unsere Radverkehrskoordinatorin des Senats zu einer Podiumsveranstaltung in der Karl-Schneider-Halle einlud.

Sie wollte sich den Fragen der Vereinsvorsitzenden und des Publikums stellen.

Mensch das wäre doch mal was aus erster Hand zu erfahren wie es steht und was unternommen wird um den weiteren Ausverkauf der, zwar desolat aber noch vorhandenen Infrastruktur im Radwegenetzt entgegen zu wirken. Als ehemaliger Vereinsvorsitzender eines Sportvereins sah ich mich da angesprochen. Beim weiteren Recherchieren zu diesem Block erkannt ich dann irgendwann das ich als Betroffener gar nicht gemeint war.

Es fing schon damit an, dass die Moderation durch Herr F. nicht in der Lage war, das Podium als Gesamtes vorzustellen. Wer sich als Persona hinter den Podiumsmitgliedern versteckte habe ich zwischenzeitlich hinterfragt. Amüsiert war ich schon bei der Einleitung, Diebstahl. Eduard mit einem Beschaffungswert von mehr als 5 TE stand ordentlich draußen vor der Tür. Das Elektrorad der Koordinatorin befand sich zum Schutz im Podiumsraum. Ich wollte schon aufstehen und Eduard daneben stellen.

Amüsantes zu Abstellplätzen im Stadtgebiet, die immer benötigt werden, wobei auch hier wohl alles beim alten Standard bleibt und Neues (Parklift in Tokio) nicht zur Diskussion steht. Jedenfalls wird es am Hauptbahnhof weiterhin mehr Platz für Blech als für Rad geben. Es gibt eine (noch) kostenlose App für das Radwegenetz in Hamburg, was ist das für eine App? Ich habe Bike-Citi-Zens zwischenzeitlich im Netz gefunden und als stromfressende und (zukünftig) geldschluckende Kopie von Goggle Maps eingestuft. Ach ja, auch wenn die Autobahnbrücke zwischen Harburg und Wilhelmsburg einen Fahrradstreifen hat, fahren Fahrräder nicht auf der Autobahn (sondern unmittelbar daneben). Mister Autobahn sieht da eine Differenzierung.

Underground Bicycle Parking Systems in Japan

Anfragen aus dem Publikum wurden nicht übernommen, beim Nachhaken dann vom weiteren Publikum niedergebrüllt, sondern vom Co- Moderator Herr H. gestellt. Als Herr H. auch noch mit der Unkenntnis zur bestehenden StVo glänzte war für mich der Punkt erreicht diese Veranstaltung der Beweihräucherung, eine halbe Stunde vor dem offiziellen Ende, zu verlassen. Ich glaube nicht das ich was Wesentliches verpasst habe?

Im Juli 2017 wurde das begleitende Fahren von Kindern, durch eine mindestens 16 Jahre alte Aufsichtsperson, auf dem Gehweg neu geregelt. Die Frage im Mai 2018: Warum dürfen Eltern ihre Kinder auf dem Gehweg nicht begleiten? Wenn Herr H. schon den Themenkreis vertreten will, sollte er kundig sein. Ich bin kein Politiker und kein Diplomat. Ich bin ein Betroffener dieses Chaos und kann nur meinen Kopf über diese Veranstaltung der Selbstdarstellung zur Verbesserungen im Radwegenetz schütteln. Ich kann und werde nicht für ganz Hamburg sprechen, ich kann mich aber über Wandsbek auslassen und was da in der Periode Scholz ablief grenzt nicht mehr an Verdummung. Alleine der ->fortschrittsbericht-2015 lässt beim oberflächlichen Überfliegen erkennen, dass gegen die Fahrradstadt Hamburg geschwommen wird. Der Bezirk ist stolz darauf das er durch die Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht, aber gleichzeitiger Neuanlegung von Radstreifen aus dem Nirgendwo ins Nirwana, Gefahrenschwerpunkte erzeugt hat (Radweg Am Luisenhof / Alter Zollweg / Scharbeutzer Str. / Friedrich-Ebert-Damm / Am Stadtrand und noch viele Stellen mehr). Alle Baumaßnahmen aus den letzen vier Jahren ohne Rücksicht auf den Radfahrer und ohne erkennbares Veto durch die Parteien oder der Koordination.

Anstelle der Instandhaltung wird die Radwegbenutzung aufgehoben. Damit sind der Bezirk und der Senat aus der Verkehrssicherungspflicht und seiner Verantwortung gegenüber den Bürgern heraus. Sollen doch die Radfahrer sehen wie sie mit den Blechbüchsen klarkommen. Es besteht ja keine Möglichkeit mit einem Strafantrag, wegen unterlassener Verkehrssicherungspflicht, gegen diese Versager durchzubekommen und sein Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V. fordert doch dies seit Jahren.

Wir Radfahrer fordern, bzw. wünschen nicht das ...

- Radschutzstreifen mitten im Bordstein beginnen und im Nirwana verschwinden.

- ehemals vorhandene Radwege demontiert und zu Bushaltestellen umfunktioniert werden.

- bestehende, desolate Radwege bestehen bleiben und notwendige Nutzflächen blockieren.

- ein Rückbau und damit eine sinnvolle Verbreiterung der bestehenden Fahrstreifen nicht angefasst wird.

- es Bettelampeln angeblich nicht mehr gibt. Ich kann Dutzende alleine in Wandsbek benennen. (Unter einer Bettelampel versteh ich eine Lichtsignaleinrichtung die nach Anforderung erst ein internes Programm abfährt um dann nach einer nicht kalkulierbaren Wartezeit Grün zu geben.)

- es noch unzählige Kombiampeln gibt (Radfahrer & Fußgänger gemeinsam), wo es für den Radfahrer nicht weitergeht.

- es Linksabbiegerspuren gibt, die durch die Ampelschaltung nicht genutzt werden können.

- vorhandene Radstreifen zu Parkstreifen gewandelt werden.

- das, das, das! Die Liste der planerischen Inkompetenz ist Endlos.

Radfahrer haben vor Jahren schon die freie Wahl der Verkehrsfläche erhalten. Ich verzichte gerne darauf, wenn dies zu Lasten meiner körperlichen Unversehrtheit geht. Ich riskiere auch die 20 Euro für das Fahren auf dem Gehweg wenn es meiner körperlichen Unversehrtheit dienlich ist. Ein mehrtägiger Aufenthalt im Hospital und der damit verbundene Verlust von Rad und Ausrüstung (nach einem Unfall zeichnet sich bei Feuerwehr und Polizei keiner für die verunglückten Fahrräder verantwortlich) werden kostspieliger.

Ich sehe die Aufgaben einer Koordinatorin nicht darin zu präsentieren was neu angelegt wurde, ich sehe die Aufgabe darin die Finger in die Wunden zu legen und den Prozess den Bedürfnissen anzupassen und zu betreuen. Es kann nicht sein, das ein Flickwerk entsteht und am Ende keiner mehr Kenntnis davon hat was eigentlich geplant und gebaut werden sollte. Ich sehe die Aufgabe darin am Ball zu sein, um Baumaßnahmen an der bestehenden Reststruktur in die richtige Bahn zu lenken und Neubauten kritisch zu betrachten wobei ich auch den Umbau der Fuhlsbüttler Straße kritisch betrachte. Es ist keine Homogenität in der Streckenführung erkennbar (Schutzstreifen wechselt mit Radweg und Fahrbahn). Und das ich mit meiner Meinung nicht ganz alleine stehe, kann zum Beispiel in der RadCity 201802 auf Seite 27 nachgelesen werden. Auch dort wird ein ehemals funktionierendes System beschrieben.

Hätte ich mich rechtzeitig an das Interview aus RadCity 201603 erinnert, wäre mir im Vorfeld schon klar gewesen dass der Besuch mir Magenschmerzen bringen würde,

Im Jahre strampel ich ca. 8 Tkm auf Deutschlands Straßen und davon den überwiegenden Teil im Hamburger Stadtgebiet. Ich glaube dass ich schon fast alles an Nötigung und Gefährdung, hervorgerufen durch planerische Fehlleistungen, erlebt habe. Jedenfalls war diese Veranstaltung keine positive Werbung für die Radverkehrskoordinatorin des Senates der Freien Hansestadt Hamburg.