der mit dem Rad

Fehmarn

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum Lachen. Till Eulenspiegel hätte reichlich Material um seine Possen zu verfeinern. Die Insel Fehmarn ist ein weithin leuchtendes Beispiel für Ignoranz gegenüber bestehender Verkehrsregelung und insbesondere gegenüber ihren zahlenden Gästen. Das Radwegenetz auf Fehmarn wird nicht von der Gemeindeverwaltung sondern von der Fehmarn-Wege GmbH, die aus dem Fehmarn-Wege Verein entstand, unterhalten und ausgebaut.

Aufgemerkt, eine private Initiative kümmert sich um den Erhalt und Ausbau des Radwegenetzes auf der Sonneninsel Fehmarn. Die Stadtverwaltung legt ihre Hände in den Kasten der Unschuld und verletzt ihre Verkehrssicherungspflicht und ihre Verkehrsaufsicht.

Das Ergebnis; Privatpersonen stellen offizielle Gebotsschilder, nach eigenem Ermessen, auf private Grundstücke und erzeugen damit den Eindruck einer genehmigten Verkehrsregelung.

Das wäre das gleiche, als wenn ich auf der Fahrbahn Radstreifen markieren, oder Gefahrenstellen mit Tempo 30 ausrüsten würde. Kein Mensch interessiert es. Keiner prüft die Rechtmäßigkeit. Frei nach dem Motto, wo kein Kläger da kein Richter. Und du kannst noch nicht mal klagen! Strafantrag wegen unterlassener Verkehrssicherungspflicht, Eingriff in die StVo, Amtsanmaßung, wurde von der Staatsanwaltschaft mit dem Verweis: "Der Täter ist nicht zu ermitteln!" eingestellt.

Die Blechbüchse kann nicht wissen, dass die vorhandenen Gebotsschilder eigentlich auf Privatgrund stehen und keine rechtliche Handhabung haben. Er sieht das Gebot, das ja rechtlich gar nicht vorhanden ist, der Eindruck wird jedenfalls erweckt und irgendwann ist das alles normal und kein Mensch weiß woher die Schilder eigentlich kamen und wer und warum sie aufgestellt wurden.

Da fragt man sich, mit welcher Unverschämtheit auf dieser Insel eine Kurtaxe erhoben wird. Ich weigere mich jedenfalls bei allen Aufenthalten diese Taxe zu entrichten da kein Gegenwert zu erkennen ist. Ist eine rechtliche Grundlage zur Kurtaxe überhaupt vorhanden? Sprecht da mal mit eurem Anwalt "Google" drüber, ein recht interessantes Thema.

Karte Fehmarn

Überfahrt zur Insel

Fehmarn ist nur über die Fehmarsundbrücke zu erreichen. Angeblich soll es einen gut ausgebauten Radweg geben. Ein Schmarren gibt es; offiziell ist es ein Trampelpfad durchs Unkraut, auf dem ich mein Rad schieben soll, sofern Platz ist. Genau Platz, es ist schon interessant mit welcher rüpelhaften Missachtung der einfachsten Hilfsbereitschaft Talfahrer den Bergfahrer in Bedrängnis oder sogar zum Bremsen bringen. Hauptsache der Töle im Hundeanhänger geht es gut. Das Auffinden des Zuganges am Festland, gleicht einer Schnitzeljagd. Irgendwann finden wir ein Tor mit dem Hinweisschild "Radfahrer absteigen", dann haben wir den Trampelpfad erreicht.

Alternativ kann sich der Radreisende auf dem Mehrzweckstreifen zwischen Lastkraftwagen, Wohnmobil, Raser, Spedition, Rüpel, Luxuskarosse, Profilneurotiker, Anhängergespann, Halbegescheite, Motorräder, Ignoranten und Wind aus unterschiedlichen Richtungen zur Brücke rauf strampeln. Ach, die gute alte Eisenbahn begleitet ihn gelegentlich ebenfalls. Wenn er Glück hat kommt er auch heil an der ersten Ausfahrt runter von der Bundesstraße 207, auch als Europastraße 47 bekannt. Wenn man bedenkt, dass diese Brücke seit 1963 unverändert die Vogelfluglinie zwischen Dänemark und Deutschland repräsentiert ist es ein technisches Unding das schon längst abgerissen gehört.

Der einst vorhandenen Fährverkehr zwischen Großenbrode und Fehmarn ist eingestellt. Einige Navis und Straßenkarten haben es auch nach 15 Jahren noch nicht bemerkt. Ist auch nicht so einfach, wenn ein Ortsteil Großenbroderfähre benannt ist!

Was bietet sich als halbwegs elegante Lösung zum Erreichen der Insel an? Etwa alle zwei Stunden fährt von Großenbrode die Bimmelbahn nach Puttgarden mit Halt in Burg. Die Fahrt dauert gerade 10 Minuten und ist 2017 für 3,20 Euro zu bekommen. Inwieweit ein Fahrradticket für 9,00 Euro erforderlich ist, konnte ich der Homepage zum SH- Tarif nicht entnehmen. Auch die Telefon Hotline der Deutschen Bahn konnte diese Frage nicht mit Sicherheit beantworten. Fakt ist, Geschenkgutscheine der Deutschen Bahn werden nicht verrechnet.

Burg

Burg, die Inselhauptstadt auf Stadt Fehmarn. Tut euch die Stadt, Dorf wäre die richtige Bezeichnung, nicht mit dem Rad an. Die noch vorhandenen Radwege sind in einem hoffnungslosen Zustand und verlaufen häufig im Gegenverkehr. Die innerstädtischen Radwege sind gepflastert, genau wie die Fahrbahn. Die Innenstadt ist mit Blechbüchsen gepflastert. Die Fußgänger müssen die zweispurige Ortsdurchfahrt im Laufschritt queren. Ein gemütliches, entspannen Flanieren ist zu vergleichen mit einem Spaziergang auf der Hamburger Mönckebergstraße. Burg ist das absolute Paradebeispiel einer desolaten Tourismuspolitik. Für den Stellenwert der Gemeinde Burg innerhalb der Stadt Fehmarn spricht der Umstand, dass nur eine Radroute durch Burg führt aber keine in Burg endet oder beginnt.

Radwanderkarte

Zu Fehmarn gibt es eine Radwanderkarte die nicht vom Tourismusbüro und auch nicht von der Stadt herausgegeben wird. Der Verleger ist die Fehmarn-Wege GmbH. Ich rechne es der GmbH hoch an, dass sie aus eigenem Interesse den Fehler und der Inkompetenz der Verwaltung gegensteuert. Das sich die GmbH dabei in einer Grauzone bewegt ist nicht unser Problem.

Von den bisher (Auflage 2015) zehn erstellten Radrouten (OH 1 bis OH 10) führt nur eine Route durch Burg. Die Routen sind von ihrer Länge und Streckenführung für den: "ach das ist ja so Idyllisch Fahrer" ausgelegt und verlangen kein besonders Leistungsprofil. Auf bzw. am Deich, ca. 85 km, ist die Insel an einem Tag zu umrunden. Der Streckenzustand ist häufig mehr für das Mountainbike als für das Stadtrad geeignet.

Die Strecke von Burg zum beliebten Südstrand oder ins Naturschutzgebiet Wallau ist eine Zumutung. Wer sich als Radfahrer an die StVo hält kommt nie an.

POI Seenotrettungsmuseum

Wenn man es geschafft hat auf die Insel zu gelangen und eine halbwegs bezahlbare Unterkunft zu bekommen gibt es eigentlich nur einen Punkt der in keiner Besucherliste fehlen darf. Das Seenotrettungsmuseum Fehmarn ist in meinen Augen ein Muss. Es erklärt anschaulich einen der wichtigsten, ehrenamtlichen Tätigkeiten der deutschen Küstengewässer.

POI Südstrand

Wer sehen möchte wie die Kurtaxe auf Fehmarn verschleudert wird ist hier richtig.

Unterkunft

Fehmarn ist voll mit Unterkünften, Ferienwohnung, Ferienwohnung und nochmals Ferienwohnung. Nichts für eine Nacht und wenn doch dann mit horrenden Zusatzkosten. Ein paar Zeltplätze sind bei Bett & Bike gelistet. Ob sie auch wirklich für eine Nacht einen Stellplatz frei haben sollte im Vorfeld geklärt werden. Auch die Jugendherberge hat mir in den letzten Jahren nie ein Bett anbieten können. Eine Hotelunterkunft ist unter 100,00 Euro nicht zu bekommen. Selbst das Hotel Dania am Fährterminal, mit einem recht eigenwilligen Flair, liegt in der gehobenen Preisklasse.  

Einen Warm Showers habe ich bisher auch nicht auf Fehmarn gefunden. Warum auch, mit seinem Zimmer kann er richtig Geld verdienen. Fehmarn ist also die Insel des Biwaks. Platz und Rapsfelder sind genug vorhanden.

Resümee

Fehmarn gehört wohl mehr wegen seiner geografischen Lage zum Ostsee Radweg bzw. EV10. Ein Muss ist die Insel jedenfalls nicht. In der Ferienzeit sollte der Radreisende einen großen Bogen um diesen Ferienort machen. Die gestressten Urlauber sind eine Gefährdung für alles was nicht schnell genug von der Fahrbahn kommt. Rücksichtnahme, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft werden in dieser Zeit auch von den Inselbewohnern kleingeschrieben. Der Gelegenheitsradler, der sich mit einem Leihrad auf große Tour begibt ist hier jedenfalls gut aufgehoben. Da diese Radlergruppe die StVo gerne ignoriert ist sie hier gut aufgehoben.

Es soll  einen gesteuerten Nahverkehr geben, nur wann und wo fährt er? Es soll eine zentrale Polizeistation in Burg geben. Klar ist die Zentral, alle anderen Stationen sind geschlossen. Die nächste, dauerhaft funktionierende, Wache befindet auf dem Festland.

Link

Kate zur Insel Fehmarn

Wikipedia Fehmarn