der mit dem Rad

Bremslicht

Bremslicht am Fahrrad? Ja, entsprechend § 67 Absatz 2 der StVZO, vom Mai 2017, ist Bremslicht grundsätzlich am Fahrrad zulässig. Sie sollen dann mit einem roten Licht mit einer ->Lichtstärke und Lichtverteilung entsprechend der Regelung Nr. 50 der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) ausgerüstet sein.

->ECE Nr. 50 Abschnitt 7. Lichtstärke (Candela) des ausgestrahlten Lichts min. 40 cd max. 185 cd

Dankenswerterweise hat ->fahrradbeleuchtung-info dazu eine detaillierte Analyse der gesetzlichen Vorgaben und technischen Möglichkeiten erstellt.

Meine Beobachtungen im täglichen Straßenverkehr ergaben, dass das Bremslicht eine gesonderte Leuchte und das Licht extrem heller als ein Rücklicht sein sollte. Denken wir nur an den Unterschied der Kombileuchte am KfZ: 5 Watt für das Rücklicht und 21 Watt für das Stoplicht. Ein echter Unterschied. Es tummeln sich vermehrt, Akku betriebene, Rücklichter auf den Straßen die eine Bremslichtfunktion haben sollen. Ich betone, haben sollen! Darauf verlassen kann sich der Hintermann nicht, ob da jetzt gebremst wird oder die Leuchte nur eine Fehlinterpretation signalisiert. Die Signalwirkung zwischen einer LED als Rücklicht und zwei LED als Bremslicht ist auch diskutabel. Angeblich alles nach StVZO bzw. nach ECE freigegeben. Insbesondere wenn es aus Fernost angeliefert wird.
Bei Fernost habe ich so den Eindruck, dass untereinander abgeschrieben wird. Fünf verschiedene Leuchten und ein und dieselbe Freigabe E11 50R-001723.

Wir schreiben das Jahr 2022 und was bietet uns die Fahrradindustrie an? Zwischen Nichts, Schrott und bedingt verwendbar ist alles vertreten.

Zum Beispiel die Kombileuchte ->Toplight Line break nehme ich im Fahrbetrieb nicht als Bremslicht wahr. Im Rücklicht wertet ein Prozessor ein Dynamosignal aus. Nimmt die Geschwindigkeit signifikant ab, registriert der Prozessor die Verlangsamung und das Rücklicht pulsiert deutlich und sehr hell. Nur wie hell?

Das Modell ->LINE Brex für Elekrofahrräder arbeitet mittels Sensorik das den Bremsvorgang erkennen und dann mit einem sehr hellen Leuchtstreifen den Bremsvorgang vermitteln soll. Erst bei einer Vollbremsung wird die maximale Helligkeit ausgegeben. Auch hier die Frage wie hell und wie empfindlich?

Mit Vibrationssensor arbeiten die preiswerten Anbieter. Ich habe mir zwei dieser Wackelgeräte zugelegt und war von der Funktion vollkommen enttäuscht. Woran wohl kein Anbieter so richtig gedacht hat. Was macht mein Bremslicht wenn ich stehe? Es ist dunkel wie eine Kohlegrube!

Für mich kommen nur Bremslichter mit einer echten Schaltfunktion in Frage. Und da tauchen die Herausforderungen auf.

1. Welche Leuchte?
2. Welche Kontakte?

SUPERNOVA M99 TAIL LIGHT 2 PRO

Bremsleuchte

Die passende Leuchte am Markt könnte das ->SUPERNOVA M99 TAIL LIGHT 2 PRO sein.

Entsprechend der Herstellerangaben ein Rücklicht mit 75 cd (Candela)  am Bremslicht und Funktion über die Bremshebel. Aber ein Preis von 119,00 Euro (2022) finde ich arg übertrieben?

Die Leuchte hat zwei technische Hürden. Gehäusemaße: 19 x 98,2 x 14 mm führt zu einer Einbaubreite von mindestens 99 besser 100 mm.  Messt an eurem Gepäckträger einmal die lichte Weite zwischen den beiden hinteren Stützstreben, ein sehr interessantes Ergebnis. Ergo muss die Trägerplatte weiter nach hinten versetzt werden. Dafür bietet sich ein U- Profil aus salzwasserfest eloxiertes Aluminium in Luftfahrtqualität an. Wo um alles in der Welt soll ich solch eine Qualität, EN AW 5754 sprich eine hochfeste Legierung, bekommen. Ich habe nur die Baushausqualität zur Verfügung.

Die zweite Hürde sind auch hier die 12 Volt für Rück- und Bremslicht. Mein SON bringt nur 6 Volt und daher hätte ich das Bremslicht gerne getrennt vom Rücklicht. Mein Zubehör wird über Akku betrieben und mein Licht über den SON.

->SUPERNOVA TL3 PRO Für 6 Volt und 60 cd am Bremslicht, mit einem nicht kontrollierbarer Wackelschalter. Warum nicht auch mit einem Kontaktschalter? Dann wäre es aus meiner Sicht die ideale Brems- Rückleuchte im Dynamobetrieb. 

BÜCHEL EDGE Laut Herstellerangabe mit 45 cd und einem nicht kontrollierbarer Wackelschalter in, ja was denn nun,  6 oder 12 Volt. Die Produktbeschreibung lässt alle Interpretationen zu.

Die Liste ist zur Zeit endlos.

Vor langer Zeit ist ein ->LINE SMALL (baugleich mit dem SON Rücklicht) bei mir in der Kiste gewandert. Laut Herstellerangabe das aktuell hellste 6V Rücklicht. Leider keine Angabe wie hell es in Candela (cd) wirklich ist, und nur mit 6 Volt und Standlichtfunktion erhältlich. Optisch sprach er mich sofort an, als Bremslicht nicht optimal verwendbar. Insbesondere fehlt eine geeignete Streuscheibe. Auf meine Anfrage erhielt ich dann ein Exemplar für 12 Volt ohne Standlicht. Da die LED bei der Montage nicht zentrisch montiert wurde ist das Lichtbild schräg nach unten gerichtet. Für die gedachte Aufgabe nur bedingt, zum experimentieren, verwendbar.

Es wird weiter gesucht und wenn ich mir so ein Ding aus Ersatzteilen selber bauen muss. Oder ich beiße in den teuren Apfel und investiere ein paar Euro beim Motorradhändler.

Also wieder bei den Motorrädern schauen. Fahrtrichtungsanzeiger mit integriertem Bremslicht und Rücklicht? Will ich nicht! Ich will ein gesondertes Bremslicht ähnlich der dritten Bremsleuchte der Blechbüchsen. Davon gibt es reichlich nur maßlich habe ich keine geeignete Leuchte gefunden.

Die Idee, ein Bremslicht mit Wackelschalter ordern, den Schalter ausbauen und direkt an den Bremsgriffen verdrahten? Das ging unverzüglich in den Mülleimer. Die Gehäuse sind umfänglich verschweißt und zerbrechen. Da hilft auch kein heißer Draht.

Es ist traurig! Die Gesetzesänderung für das Bremslicht am Fahrrad ist jetzt fünf Jahre alt und nur ein Hersteller hat es geschafft ein halbwegs verwendbares Brems- Rücklicht, für 12 Volt, auf den Markt zu bringen. Da werde ich doch noch irgendwie an eine bezahlbare Lösung kommen?

Aus lauter Verzweiflung am Angebot und den Kosten habe ich dann das LINE SMALL als getrenntes Bremslicht montiert. Besser was Halbes als gar nichts.

Bremshebel mit Schaltkontakt

Ich könnte auch sagen jetzt wird es lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Die Schaltkontakte waren technisch eine extra Herausforderung.

Der Markt bietet da einiges an. Die bekannteste Ausführung sind die Bremshebel mit integrierten Tastern von den E- Bikes. Die Idee ist gut, die Ausführung der Bremshebel recht billig. Wenn man jahrelang mit Shimano BL610 gefahren ist sind da doch einige Anforderungen an die Stabilität, Funktion und Haptik entstanden. Shimano selbst hat keine Bremsgriffe mit Schaltfunktion im Sortiment. Weder hydraulisch noch mechanisch. Magura ist bei den hydraulischen Bremsen etwas weiter.

Schalter im Gehäuse eingeschraubt.

Besorgen wir uns die weit verbreiteten Magnetschalter und klebe diese an geeigneter Position an die vorhandenen Bremsgriffe. Irrtum! So einfach geht das nicht. Bei den Magnetschaltern handelt es sich um sogenannte ->Reedkontakte die in einem Kunststoffgehäuse vergossen sind. Je nachdem wie der eigentliche Reedkontakt bei der Produktion im Werkzeug eingelegt wurde verschiebt sich die Schaltposition. Des Weiteren ist nicht zu erkennen ob es sich um einen Schließer, Öffner oder Wechselschalter handelt. Es könnten auch Hall- Sensoren sein? Wer weiß das schon außer dem Hersteller. Dann wäre die ganze Angelegenheit eleganter zu lösen. Nach einem langwierigen Probieren bis die geeignete Position der Magnete und der Schalter gefunden wurde konnten diese mit Klebeband auf den Griffen montiert werden. Hielt ungefähr von Zwölf bis Mittag.

Auch der Versuch die Magnete auf dem Griff zu verschrauben scheiterte an der Positionsgenauigkeit

Die Magnete habe ich mit einer M3 x 16 Schraube an den Hebeln befestigt. Der Anbieter meint zwar sein beigelegtes Klebeband könnte die Positionsdifferenz ausgleichen, da mussten dann doch die Drehbank herhalten und Distanzscheiben produzieren. Eine Anmerkung zu den Permanentmagneten. Die Magnete bestehen aus einem extrem spröden Material das Schläge oder axiale Drücke gar nicht mag und sich recht schnell in einzelne Splitter zerteilt.

Da habe ich richtig Geld und Zeit zum Fenster herausgeworfen.

Ich will euch nicht weiter mit meinen Misserfolgen langweilen. Es geht hier um eine verwertbare Lösung. Und die habe ich gefunden.

Minshine

Simpel erklärt ist der ->Minshine MS-BK-1R ein magnetgesteuerter Transistorschalter, für die E- Motoren, der über den Bremszug geschoben wird und beim Betätigen der Bremse, magnetisch einen Schaltkontakt auslöst.Es gibt ihn in zwei Ausführungen. 1R zur Montage am Bremshebel 1F zur Montage an der Bremse.

Zitat: "Dies ist ein von Minshine patentierter Inline-Bremssensor, das Bremskabel geht durch den Sensor, das Bremssignal kommt sofort vom Sensor, wenn sich das Bremskabel bewegt, das System kann die Stromversorgung abschalten, nachdem es dieses Signal erhalten hat.
Die Hauptmerkmale dieses Sensors sind kleine Größe, stabiler und zuverlässiger Betrieb, außerdem kann er leicht an jeder Position des Bremskabels befestigt werden."

Das heißt für uns, bei der Belegung der Anschlüsse müssen wir "rückwärts" denken weil wir nicht abschalten sondern das Bremslicht anschalten. Zu beschaffen über das Netz mit dem Suchbegriff: MS-BK-1R

Ali hat eine vorbildliche Suchfunktion. Man findet alles, mehr oder weniger durch Zufall, aber nicht gezielt.

Das ist das ganze Geheimnis! Ein Dauermagnet,befestigt an einer Kunststoffführung, eine Platine bestückt mit einem Hall Sensor, einem 32002, Diode, Widerstand 308 und einer roten LED. Was warum und wofür? Keine Ahnung, aber es funktioniert bei 12 Volt und 0,9 Amper.

Der Anschluss war ein wenig kniffelig, eben rückwärts gedacht. 

Laut Herstellerangabe arbeitet der Schalter:
Strom  5 V/ 2 mA.
Signal Activ 0V
Signal InActiv 5V

direkt angesteuert
per Relais

Fazit

Benötigt ein Fahrrad ein Bremslicht?

Je nach Verwendungszweck ist es ratsam, ob es ein unbedingtes Muss ist werde ich nicht beantworten können. Fakt, alles was der (Verkehrs)Sicherheit  dient ist empfehlenswert. Ich bin jedenfalls ein Befürworter.

Gefordert ist die Industrie! Ich betrachte die Lösung mit dem Wackelschalter als unglücklich. Spätestens wenn ich stehe ist es hinten wieder dunkel oder bei einer Talfahrt, da weis die Elektronik recht schnell nicht mehr was sie machen soll. Wenn das Bremslicht dann auch noch anfängt zu pulsieren ist ganz vorbei. "Defektes Rücklicht!" sagt sich der,die,das Hinterherfahrende. Auch benötigen wir eindeutige Bremsleuchten entsprechend der ECE  50 und nicht nur eine zweite LED.  Im Hinblick das der Verkehr schneller und enger wird ist das geringfügig Heller am Rücklicht kein Bremslicht! Und nicht zu vergessen, den Anforderungen entsprechende, schaltende Bremsgriffe.