der mit dem Rad
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Halteoesen

Hier geht es um Befestigungs- oder auch Halteösen für Flaschenhalter und anderem Zubehör.

Entweder ist eine Oese zu wenig oder die vom Hersteller vorgesehene Position zum Befestigen von Zubehör ist inakzeptable da nicht oder nur bedingt verwendbar. Dazu hatte ich mich unter #Getränke schon ausgetobt. Im Handel gibt es diverse Schellenbänder zur nachträglichen Montage von Befestigungsösen. Aua, was haben sich die Ingenieure nur dabei gedacht? Aus Edelstahl, nicht ganz unähnlich mit einer Schlauchklemme, veredelt mit einer Gummiunterlage, wie sieht das denn nur aus? Wie gewollt und nicht gekonnt. Dann fand ich noch optisch aufgewertete Produkte aus Kunststoff. Obdach, optisch aufgewertet aber funktionell? Naja, wenn sie nicht verwendet werden dann sehen sie auch gut aus. Der Haltewert, gerade gegen Verdrehen und Verrutschen ist noch nicht mal im Vollrausch akzeptabel.

Negative bedingt verwendbare Lösungen.

Lösung

Den Lösungsansätzen sind keine Grenzen gesetzt. Die einfachste ist es die Getränke nicht am Rad sondern in den Gepäcktaschen zu befördern.

Eine weitere Lösung ist, selber machen!

Wir verwenden Materialen aus unserem geliebten Baumarkt. Dort wird ALU- Flach in den Massen 20 x 6 oder auch 15 x 5, zur Not kann auch 15 x 3 verwendet werden. Die Materialdicke wird maßgeblich durch das zu verwendende Gewinde beeinflusst. Die Fahrradindustrie hat sich irgendwann mal auf M5 festgelegt.

Jetzt muss ich ein wenig in die Gewindetechnik abtauchen. Ein metrisches (M) Gewinde mit 5 mm Außendurchmesser (M5) hat nach DIN eine Steigung von 0,8 mm. Steigung bedeutet in diesem Falle, mit jeder ganzen Umdrehung bewegt sich eine Schraube im Gewindeloch um 0,8 mm rein oder raus (rechts oder links).

Ein ALU- Flach mit der Dicke 6 mm hat dann Platz für 7,5 Gewindegänge. Bei ALU- Flach mit der Dicke 3 mm wären es dann nur 3,7 Gewindegänge. Die Faustformel für die Bestimmung der Gewindelänge in einer Schraubenmutter lautet 0,8 x Gewindedurchmesser. In unserem Falle 0,8 x 5 mm = 4 mm Gewindelänge. Wir sehen: Mit dem 3 mm ALU- Flach befinden wir uns an der unteren, gerade noch tolerierbaren Grenze. Mit 4 mm sind wir jedenfalls auf der sicheren Seite für unsere Anwendung.

Verlaengerung

Von unserem ALU Stab trennen wir die erforderliche Länge ab. Grundlegen ist hier zu beachten dass die Mindestlänge sich zusammensetzt aus dem Abstand der Halteösen plus der Differenz für die neue Position.

Im Klartext: 64 mm Lochabstand der original Halteösen plus 6 mm für den Schraubendurchmesser plus 10 mm Überstand links und rechts von Mitte Schraubenloch. Das wäre die Basis. Nun müssen wir noch ermitteln um welchen Abstand zur alten Position die neue Halteposition verschoben werden muss. Dieser Abstand kommt noch zu unserem Stab hinzu.

64 + 6 + 10 = 80 mm + Versatz zur neuen Position (als Beispiel 15 mm) = 95 mm Stablänge.

Eine technische Anmerkung am Rande.

Zu den 64 mm Abstand zwischen den Befestigungen kann ich mir hier an dieser Stelle eine Anmerkung nicht verkneifen. Ursprünglich war dieses Maß 63,5 mm also 2,5 Zoll. Warum die Engländer mit ihrem ungeraden Maßsystem auch im Fahrradbau ihre Abdrücke hinterließen ist mir ein Rätzel?

Also, 2,5 Zoll waren bzw. sind das Abstandsmaß für die Gewindelöcher am Getränkehalter. Dank der genau arbeitenden Industrie und dem unausweichlichen Abweichungen im Vorrichtungsbau kann dieses Maß mal ganz entspannt um plus/minus 1 mm schwanken. Auch sind Komma- Millimeter für Otto Handwerker nicht so einfach zu reproduzieren. Daraus entstand dann das Stichmaß von 64 mm, wobei eine Bohrung immer als Langloch ausgeführt ist um die Schwankungen auszugleichen.

Wolf-Tooth

Die ganze Arbeit kann man sich seit kurzem sparen. ->Wolf Tooth  hat sich die gleichen Gedanken gemacht und bietet ein professionelles System an, dass eigentlich sämtliche Varianten abdecken müsste.

Oesen

Die vorstehenden Lösungen beziehen sich darauf, dass Befestigungsoesen am Rahmen vorhanden sind und sich halbwegs an der geeigneten Position befinden. Was aber wenn dem nun mal nicht so ist? Dann wird es spannend!

Die nachfolgende Lösung geschieht ausdrücklich auf eigenes Risiko. Sollte es dadurch bei einem Anwender zu einem Rahmenbruch oder einem anderen Schaden kommen, braucht er gar nicht erst mit dem Gedanken spielen mich dafür haftbar zu machen und wer einen Spezialrahmen, wie etwa Carbon hat, sollte ganz schnell aufhören zu lesen.

Nun aber zu der umgesetzten Lösung. Bei diversen, auch namhaft bekannten Fahrradbauer (ZEG) fand ich die Blindnietmutter (BNM), auch als Quetschmutter bekannt und im Baumarkt als Einnietmutter, im Einsatz. Blindnietmutter (BNM) daher, da sie wie ein Blindniet, besser bekannt als Popniet, mit einer speziellen Zange in einer Bohrung verquetscht bzw. gestaucht wird. Diese Stauchung führt dann zum Festsitz im Rahmenrohr. Die Blindnietmutter gibt es in verschiedenen Materialqualitäten und Abmessungen. Auch die berühmte Gewindegröße M5 ist dabei vertreten. Aus ALU sind die Muttern in fast jedem Baumarkt zu erhalten. Bei Edelstahl wird es schon ein wenig aufwendiger, ist aber im guten Eisenwarengeschäft realisierbar. Meine Erfahrung lässt jedoch keinen Empfehlung für die Ausführung in A2 oder generell in Edelstahl zu. Die Stauchung ist mit den Mitteln eines Heimwerkers nicht im erforderlichen Umfang zu erreichen.

In der Industrie wird eine Nietzange verwendet, die nicht jeder Heimwerker in der entsprechenden Ausführung zur Verfügung hat. Also brauchen wir eine andere Lösung und die heißt neben Selbstvertrauen, handwerkliches Geschick.

Neben einer Bohrmaschine, passenden Bohrer, Hammer, Körner, Stahlmass, Reißnadel, Schraubenschlüssel benötigen wir mind. eine, besser zwei oder drei hochfeste Schrauben und Muttern in der gewünschten Gewindegröße. Unterlegscheiben, zur Schonung und Vermeidung von Abdrücken, sind zu empfehlen.

Nach sorgfältigen Ermitteln und Kennzeichnung per Körnerschlag an den beiden Positionen für unsere zukünftige Befestigung wird es Ernst. Die Aufnahmelöcher werden mit einem im Durchmesser passenden Bohrer, entsprechend der Montageanweisung auf dem Beipackzettel der Blindnieten gebohrt. Lieber um 0,1 mm kleiner als um 0,01 mm zu groß. Je strammer die Blindnietmutter in der Bohrung sitzt um so besser ist die Stauchung und die zukünftige Festigkeit.

Jetzt kommt schon die Stauchung. Mittel der Schraube wird die Blindnietmutter im Bohrloch fixiert und mittels der Mutter wird der Schraubenweg verkürzt. Im Klartext. Die Schraube wird nicht gedreht, nur die Mutter. Nach ein paar Umdrehungen wird es schwergängiger, sprich die Stauchung ist erfolgt und die Schraube nebst Mutter wird aus dem Gewindeloch entfernt. Ein kritischer Blick auf unser Werk und fertig ist die neue Befestigungsöse. Nebenbei, einen Nacharbeit in Form von Nachziehen oder gar Lösen ist nicht möglich. Wenn die Blindnietmutter nicht hält, ist ein kompletter Austausch erforderlich.

Lasst die Finger weg von diesen Spreizdübel für Hohlräume aus dem Baumarkt. Sie sind absolut ungeeignet für unsere Anforderungen.

Links

 

->Shimano Di2 Adapter SM-BA01 für Flaschenhalter zum Preis von Euro 12,99 ist eine stufenlose Alternative. (Viel Vergnügen beim Suchen auf der Shimano Homepage)

->Topeak hat sich Gedanken gemacht und bietet für Euro 8,50 einen "ALT-POSITION CAGE MOUNTS" an.

->Problem Solvers mit seiner Kreativität darf hier nicht fehlen. Sogar preislich überraschend Euro 9,95 kommt hier eine stufenlose Lösung ins Rennen.

->Wolf Tooth hat mit seinem System: B-Rad den Vogel abgeschossen. In diversen Längen und für verschiedene Anforderungen fand ich dort ein umfangreiches Angebot.

->Michael Prandl hat zu den Gewindenormen eine umfangreiche Dokumentation hinterlegt.

->Schraubenlexikon gibt schon bald zu viel Information.